Kultur und Kooperation

Gemeinsam mit dem Bergkloster Bestwig oder dem Verein Kultur Pur Bestwig laden wir zu besonderen Veranstaltungen ein.

 

Ein fester Termin für einen besonderen Abend ist in den vergangenen Jahren der Karfreitag geworden. 2014 war Gert Schönfelder zu Gast.

Gerd Schönfelder und sein persönlicher Karfreitag

Das Leben des Paralympics-Stars Gerd Schönfelder beeindruckte im Bergkloster Bestwig 200 Zuhörer. Unter dem Thema "Mein persönlicher Karfreitag" erlebten sie 2014 am Abend des Karfreitag einen beeindruckenden und ermutigenden Vortrag, der von einer wirklichen, persönlichen "Auferstehungserfahrung" berichtete.

 

„Lass Dich nicht aus der Bahn werfen", riet der vielfache Paralympics-Sieger Gerd Schönfelder den 200 Besuchern am Karfreitag-Abend in der Dreifaltigkeitskirche des Bergklosters Bestwig. Ein bemerkenswertes Lebensmotto für einen Mann, den ein Zug über den Bahnsteig schleifte, ehe er ihm den rechten Arm und vier Finger der linken Hand abriss.

 

22 Medaillen hat Gerd Schönfelder danach bei den Winter-Paralympics zwischen 1992 und 2010 gewonnen. Dazu kamen bis zum Ende seiner sportlichen Karriere zwölf Weltmeister-Titel. „Dabei fühle ich mich gar nicht behindert", sagt der 43-Jährige – „es schaut nur so aus."

 

Schwester Maria Ignatia Langela hatte Gerd Schönfelder als Teilnehmerin einer Podiumsdiskussion kennen gelernt. Schon da hatte sie sein Lebenszeugnis so beeindruckt, dass sie ihn zu einem Vortrag ins Bergkloster einlud. „Die Tage von Karfreitag bis Ostern sind eine Zeit der verklärten Wunden", erklärte sie zur Begrüßung. „Jeder Mensch hat Wunden. Diese Wunden müssen wir in unser Leben integrieren. Sie haben uns zu dem gemacht, was wir sind." Die Katholische Kirche Meschede-Bestwig, der evangelische Kirchenkreis, der Verein Kultur Pur und die Bergkloster Stiftung SMMP haben die Veranstaltung unterstützt.

 

Gerd Schönfelder hadert nicht mit seinem Schicksal, sondern meint, dass es vielleicht so kommen musste. Schon als der Elektrotechniker und ambitionierte Sportler nach dem Unfall und der Amputation seines Armes an jenem 11. September 1989 wieder im Krankenhaus aufwachte, habe ihm viel daran gelegen, kein Mitleid aufkommen zu lassen: „Ich hatte doch Glück, nicht gestorben zu sein."

 

Ein Freund hatte Gerd Schönfelder nach der Arbeit mit zum Nürnberger Bahnhof genommen, von wo aus er wieder in den Ort Kulmain nach Hause wollte. Zehn Sekunden früher hätte er den Zug erreicht. Zehn Sekunden später wäre er weg gewesen: „Doch als der Zug gerade anfuhr, habe ich noch versucht, den Arm in die Tür zu klemmen." So nahm das Schicksal seinen Lauf.

 

„Meine Familie, meine Freunde und mein Glaube haben mir geholfen, aus dem Loch danach wieder herauszukommen", erklärte Gerd Schönfelder. Durch die Verpflanzung eines Zehs an seine linke Hand kann er immerhin wieder greifen. Er begann erneut mit dem Sport und lernte den Physiotherapeuten der Behinderten-Nationalmannschaft der Wintersportler kennen. „Da war ich erstmals unter Behinderten: Amputierte wie ich, Rollstuhlfahrer, Contergan-Geschädigte. Und doch spielten unsere Handycaps hier gar keine Rolle. Alle waren positiv drauf."

 

Schon bei seinen ersten Paralympics in Albertville 1992 gewann Gerd Schönfelder dreimal Gold: „Ich hatte mich riesig gefreut, aber nicht geahnt, was zu Haus abging. Kulmain war auf einmal in der Tagesschau. Als ich nachts um eins in der Heimat eintraf, wurde ich von Hunderten empfangen. Selbst der Weihbischof war dabei."

 

Zwei Jahrzehnte lang sollte er so erfolgreich bleiben. Und auch für die Zeit danach hat Gerd Schönfelder neue Aufgaben gefunden. Seinen Humor hat Gerd Schönfelder dabei nie verloren. Den bewies er auch mit seiner Schlussbemerkung: „Der Unfall war meine zweite Chance. Denn um als Nichtbehinderter Leistungssportler zu werden, war der Zug 1989 für mich eigentlich schon abgefahren."  U.Bock, smmp

 

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