Neues Pfarrzentrum in Meschede
v.l. Christoph Soebeler (PGR St. Walburga), Josef Mertens (Gemeindeverband), Heinz Nieder (Kirchenvorstand St. Walburga), Pfarrer Günter Eickelmann, Dechant Georg Schröder / Foto: Ute Tolksdorf WP
Zum 1. Februar wird Erzbischof Hans-Josef Becker aus den bisherigen Pastoralverbünden Kirchspiel Calle, Meschede und Ruhr-Valmetal einen „Pastoralen Raum" mit 17 Gemeinden und rd. 30.000 Katholiken errichten. Damit setzt er die Rahmenbedingungen für die künftige Seelsorge. Pfarrer Günter Eickelmann wurde zum Leiter dieses neuen Pastoralen Raumes ernannt. Diese Veränderung erfordert Voraussetzungen, die nun auch die Gebäudeplanung in der St.-Walburga-Gemeinde Meschede, dem künftigen Sitz des Leiters, beeinflussen.
In einem Interview mit Dechant Schröder und Pfarrer Eickelmann sowie mit Herrn Josef Mertens, dem Geschäftsführer des Gemeindeverbandes Hochsauerland-Waldeck, und Herrn Heinz Nieder, stellvertr. Vorsitzender des Kirchenvorstandes St. Walburga, möchten wir eine Antwort auf anstehende Fragen geben.
Warum werden die bisherigen Pastoralverbünde zu einem „Pastoralen Raum" zusammengelegt?
Dechant Schröder: Die Lebensentwürfe der Menschen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten umfassend verändert, damit einhergehend auch die kirchliche Bindung. Wer aufmerksam diese Veränderungen und ihre Auswirkungen auf das Gemeindeleben in unseren Gemeinden beobachtet, der weiß, dass die bisherige volkskirchliche Struktur nicht mehr trägt und wir nach neuen Formen gemeindlichen Lebens suchen müssen.
Wird es in den Gemeinden künftig noch überall am Wochenende Hl. Messen geben?
Pfarrer Eickelmann: Wir werden im Vergleich zur jetzigen Situation mit weniger Priestern mit dem Pastoralen Raum starten. Es wird also zu Einschnitten bei der Anzahl von Hl. Messen in unseren Gemeinden kommen müssen. Unser Ziel ist es, vorerst aber noch in jeder Gemeinde am Wochenende eine Hl. Messe oder im Ausnahmefall eine Wortgottesfeier anbieten zu können. Wir können künftig aber nicht mehr bei der Frage nach der Anzahl von Hl. Messen und der „Versorgung" von Gemeinden stehen bleiben. Die viel drängenderen Fragen sind: Wie geschieht unter den veränderten gesellschaftlichen Bedingungen künftig die Weitergabe des Glaubens? Was sind seelsorglich und karitativ unsere ureigensten Aufgaben? Wie wollen wir als katholische Kirche im Raum Meschede-Bestwig künftig wahrgenommen werden?
Wie sollen die Antworten auf diese grundsätzlichen Fragen gefunden werden?
Dechant Schröder: Alle Pastoralen Räume starten in unserem Erzbistum mit einer auf zwei Jahre angelegten Orientierungssuche. In dieser Zeit sollen die Seelsorgeteams mit den Gremien und Gemeindemitgliedern im Rahmen einer Konzeptentwicklung Schwerpunkte für die Seelsorge der Zukunft setzen. Daher wird es für den Zeitraum der Orientierungssuche in vielen Bereichen erst Übergangslösungen geben müssen.
Gibt es bei diesen Veränderungsprozessen Unterstützung?
Dechant Schröder: Zwei Gemeindeberater des Erzbistums werden das Seelsorgeteam in den kommenden zwei Jahren beim Prozess der Orientierungssuche begleiten. Ferner soll ab Herbst ein Außendienstmitarbeiter des Gemeindeverbandes in Meschede mit einem 25 % Stellenanteil wichtige Unterstützung in der Verwaltung leisten. Unabdingbar wird ein Zentralbüro sein, wo alle Fäden zusammenlaufen. Nur so lassen sich die Aufgaben einer pfarramtlichen Verwaltung entscheidend vereinfachen und bewältigen.
Wo wird das zentrale Büro sein?
Josef Mertens: Der Gemeindeverband ist schon vor einigen Monaten an den Kirchenvorstand St. Walburga herangetreten. Die bisherigen Räumlichkeiten des Gemeindeverbandes entsprechen nicht mehr dem Bedarf. Vor allem für die Mitarbeiter der neu gegründeten Kindertageseinrichtungen gem.GmbH und für die Außendienstmitarbeiter für die neuen Pastoralen Räume werden zusätzliche Büros benötigt. Eine Erweiterungsmöglichkeit besteht nur auf den Flächen der Pfarrerwohnung und des jetzigen Pfarrbüros, die zusammen mit dem Gemeindeverband im Gebäude am Stiftplatz untergebracht sind.
Heinz Nieder: Das Gebäude am Stiftsplatz 13 wird künftig komplett von Gemeindeverband und Dekanat genutzt werden. Das zentrale Büro soll in der alten Vikarie untergebracht werden. Für die Gemeindereferentinnen und –referenten werden hier ebenfalls Büros und Funktionsräume entstehen. Auch die Gemeindemitglieder werden in der alten Vikarie dann eine Anlaufstelle haben.
Pfarrer Eickelmann: In den einzelnen Gemeinden des Pastoralen Raumes sollen aber weiterhin auch Öffnungszeiten der Pfarrbüros angeboten werden, um den Gemeindemitgliedern kurze Wege zu ermöglichen.
Wo wird künftig der Pfarrer wohnen?
Heinz Nieder: Bereits vor vier Jahren begann der Kirchenvorstand mit ersten Überlegungen zu einer Sanierung des Pfarrheims. Es wurde kurz nach dem 2. Weltkrieg in einer Zeit des schnellen Aufbaus gebaut und ist in die Jahre gekommen. Den künftigen Anforderungen wird es nicht mehr gerecht. Vor dem Hintergrund der tiefgreifenden Veränderungen durch den neuen Pastoralen Raum ist nun aber in Absprache mit dem Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn ein Neubau geplant. In dem neuen Gebäudekomplex des Pfarrzentrums, das an der Stelle des jetzigen Pfarrheims entstehen wird, soll auch eine Wohnung für den leitenden Pfarrer integriert werden.
Dechant Schröder: In der Übergangszeit bis zur Fertigstellung der neuen Pfarrerwohnung wird Pfarrer Eickelmann seinen Dienstsitz in Ramsbeck behalten.
Wann sollen die Baumaßnahmen starten?
Josef Mertens: Mit dem Umbau der Räumlichkeiten im Gebäude am Stiftsplatz 13 möchte der Gemeindeverband nach dem Auszug von Pfarrer Sprenger beginnen.
Heinz Nieder: Im Kirchenvorstand wurde ein Bauausschuss gebildet, um in der Abwicklung flexibler reagieren zu können. Für das Gesamtprojekt von Pfarrheim, Pfarrerwohnung und Umbau der Vikarie zum zentralen Büro soll zeihnah ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben werden. Das Ingenieurbüro Sebralla aus Witten wurde mit der Auslobung beauftragt. Die notwendigen Vorbereitungen sind weitgehend abgeschlossen. Zur Zeit finden noch abschließende Gespräche mit dem Erzbistum zur Finanzierung der Maßnahme statt. Bis zu einem ersten Spatenstich wird aber zwangsläufig noch einige Zeit vergehen. Es gibt auch schon konkrete Ideen für die Unterbringung eines zentralen Büros bis zur Fertigstellung der Umbauarbeiten in der alten Vikarie. Mit der Stadt Meschede wurden bereits Informationsgespräche geführt. Hier wird unser Vorhaben positiv unterstützt. Genauere Informationen zum gesamten Bauvorhaben möchte der Kirchenvorstand demnächst noch in einer Gemeindeversammlung bekannt gegeben.
